Lehrveranstaltungen zur Neueren deutschen Literatur

> Ethnologie und Literaturwissenschaft – Elemente einer Ethnopoetik (Proseminar Wintersemester 2012/13)

Im Seminar soll aufgezeigt werden, dass aus dem fachlichen Nebeneinander von Literaturwissenschaft und Ethnologie ein produktives Miteinander werden kann. Der Gewinn, den gerade die Literaturwissenschaft aus der Beschäftigung mit ethnoanthropologischen Fragestellungen ziehen könnte, dürfte nicht unerheblich sein. Das Spektrum der Dialogmöglichkeiten setzt ein bei den grundlegenden Problematiken des Fremdverstehens und der teilnehmenden Beobachtung und erstreckt sich bis weit in die texttheoretische Methodik und hin zu allgemeinen Fragen eines »Schreibens von Kultur«. Im Rückgriff lässt bereits die Entwicklung des Strukturalismus erahnen, in welchem Umfang beide Disziplinen voneinander profitieren könnten. Aber auch in thematischer Hinsicht gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte (mit Blick z.B. auf den Komplex der Alterität oder auf die Logiken kultureller Differenz), zumal sich die neuere Ethnoanthropologie ohnehin verstärkt auch als eine »Anthropologie der zeitgenössischen Welten« (Marc Augé) positioniert.

Es geht also darum, grundlegende Affinitäten und Korrespondenzen zwischen den Disziplinen zu benennen und ineins damit systematische Verknüpfungsmöglichkeiten zu erarbeiten, zugleich aber auch die historischen Einsatzpunkte der wechselseitigen Beziehung etwas genauer zu betrachten. Hinzu kommt, dass es die Ethnoanthropologie im Zugänglichmachen des Fremdesten der Anderen mit Voraussetzungen zu tun hat, die denen der Literatur und der Literaturwissenschaft durchaus nicht unähnlich sind. Und wenn in letzter Zeit immer wieder auch von »Literatur als Ethnographie« die Rede ist, kann es nicht schaden, sich zu fragen, was eine zunächst vielleicht doch ein wenig voreilig wirkende Redewendung wie diese vor dem realen Horizont von Ethnographie und Ethnologie bedeuten kann.

Das Seminar soll aber nicht allein dazu dienen, in ein für Literaturstudierende doch eher ungewohntes konzeptionell-thematisches Instrumentarium einzuführen und dieses zu diskutieren, sondern zugleich auch dazu, an ausgewählten Texten von der Aufklärung bis zu Hubert Fichte gleichsam die Probe aufs ethnopoetische Exempel zu machen. An prominenter Stelle werden zudem die spezifischen Beschreibungsmethoden, die Claude Lévi-Strauss über viele Jahre hinweg entwickelt hat, ausführlich zur Sprache kommen (vom Aufgreifen des linguistischen Strukturalismus über die Mythenanalyse bis hin zum Konstrukt des »wilden Denkens«).

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